Schwärmer im Aquarium – Die Weißpünktchenkrankheit wird oft zu spät erkannt oder falsch behandelt

In diesem Gastbeitrag des Dähne Verlag erfahren Sie, warum die Weißpünktchenkrankheit für Aquarienfische so gefährlich ist und worauf Sie bei der Behandlung unbedingt achten müssen.
Gruppe kleiner orangefarbener Fische, die sich dicht am Boden eines Aquariums sammeln.

Bei dem unter Aquarianern wohlbekannten Erreger Ichthyophithirius multifilii handelt es sich um einen einzelligen Parasiten, der weißliche bis leicht grau gefärbte Pünktchen in der Schleimhaut der Fische bildet. Daher kommt der Name Weißpünktchen- oder Grieskörnchenkrankheit. Die deutlich sichtbaren, bis über einen Millimeter groß werdenden Punkte sind eigentlich Zysten, in denen der Parasit lebt.
Es ist der einzige bekannte Ektoparasit bei Fischen, der in der Schleimhaut und nicht auf ihr lebt. Er bohrt sich im Schwärmerstadium in die Haut ein. Der Parasit reizt die Schleimhaut und regt sie dazu an, eine verdickte Schicht wie eine Art Schild über ihm zu bilden. Das ist der sichtbare äußere Bereich, der mit dem bloßen Auge erkennbare weiße Punkt.


In dieser Schleimhauthöhle wächst der Parasit heran, geschützt vor äußeren Einflüssen und den handelsüblichen Medikamenten. Nach Erreichen der Endgröße bohrt sich der Parasit nach außen und sucht aktiv schwimmend eine ruhige Stelle im Aquarium auf. Dort verkapselt er sich und teilt sich vielmals. Mehrere hundert Schwärmer verlassen die Zyste. Sie schwimmen im Aquarium herum und bohren sich in die Schleimhaut der Fische. Die hohe Vermehrungsrate führt in kurzer Zeit zu einem Massenbefall im Aquarium.

Drehende Bewegung

Den Erreger selbst kann man unter Zuhilfenahme einer guten Lupe sehen. Dazu fängt man einen befallenen Fisch mit einem Netz und bringt ihn an die Scheibe des Aquariums. Wenn er sich beruhigt hat, kann man mit der Lupe durch die Scheibe die Parasiten in der Haut beobachten. Ichthyophthirius ist in steter drehender Bewegung und löst Hautzellen ab, die er als Nahrung aufnimmt. Bei einem Fisch mit schwarzer Hautfarbe kann das Plasma der Erreger stark pigmentiert erscheinen.


Ichthyophthirius kann alle Fischarten befallen. Es gibt keine natürliche Immunität, allerdings kann eine rassenspezifische Immunität im Laufe der Infektion erworben werden. Es ist oft zu beobachten, dass die Fische nach einer überstandenen Infektion eine Immunität gegen den gleichen Erreger haben. Sie werden auch längere Zeit nicht mehr von der gleichen Rasse des I. multifilii infiziert.


Das macht sich bemerkbar, wenn die Ichthyoparasiten durch eine unsachgemäße Behandlung nicht vollständig ausgerottet werden. Die Erreger sind dann immer noch latent im Aquarium vorhanden. Die Fische zeigen aber keinen Befall, oft sind nicht einmal einzelne Punkte auf den Fischen erkennbar. Die Parasiten befinden sich nur vereinzelt an geschützten Stellen, wie Kiemen oder Flossenbasen.


Typische Anzeichen für latentes Vorhandensein der Erreger im Aquarium ist, wenn neu hinzugesetzte Fische befallen werden, die bisherigen Beckenbewohner aber nicht. Erst nach mehreren Tagen, durch die Schwächung bei dem nun erhöhten Infektionsdruck, werden auch die alten Fische befallen. Oft wird dem Zoofachhändler dann die Schuld gegeben, er hätte infizierte Fische verkauft. In diesem Fall würden alle, auch die alten Fische, im Becken sofort befallen werden.

Viele Rassen

Bei Ichthyophthirius multifilii gibt es wohl viele Rassen, die auch mit einem Mikroskop nicht unterschieden werden können. Es ist eine Folge der weltweiten Verbreitung und unterschiedlicher Anpassung an die verschiedenen Biotope in denen Fische leben.
Fische können von Art zu Art unterschiedlich empfindlich auf Ichthyo reagieren. Fische ohne Schuppen, wie Schmerlen, sind sehr empfänglich für die Krankheit. Bei manchen Arten mit dicker Schleimhaut, wie Koi oder Diskusfische, sind die Erreger mitunter schwer zu erkennen, besonders im Anfangsstadium der Infektion.


Seit einigen Jahren ist eine neue Art des Parasiten aufgetreten: Ihthyophthirius schlodtfeldii. Dieser ist schwerer behandelbar. Durch mikroskopische Untersuchungen können die beiden Arten leicht voneinander unterschieden werden. I. schlodtfeldii hat einen verdrehten, größeren Zellkern. Der Zellkern des normalen I. multifilii ist bei kleinen jungen Parasiten leicht gebogen und hat bei großen Exemplaren eine hufeisenartige Form.


In vielen Fällen der schwer zu behandelnden Infektionen, die ich untersuchte, waren es jedoch normale Ichthyo-Erreger, die zu spät erkannt oder falsch behandelt wurden. Ich empfehle unverzüglich zu behandeln, wenn Ichthyo entdeckt wurde. Es können alle Medikamente auf dem Markt zum Einsatz kommen, die Malachitgrünoxalat als Wirkstoff enthalten.


Wenn die Behandlung fünf Tage durchgeführt wird, sind die Erreger abgestorben. Dabei muss nachdosiert werden, wenn sich das Wasser entfärbt hat. Mulmansammlungen im Filter und am Bodengrund sind vorher mit einem größeren Wasserwechsel zu entfernen. Die malachitgrünhaltigen Medikamente bekämpfen aber nur die Schwärmerstadien, da sie nicht in die Haut mit den Zysten eindringen können.


Medikamente mit einem Lösungsmittelkomplex wie sera Protazol oder Protazid dringen in die Haut ein und töten die Parasiten in den Zysten ab. Einige Fische, wie L-Welse, Stachelaale und Schmerlen, vertragen Malachitgrün sehr schlecht. Sie können mit sera Protazol und Protazid behandelt werden.

 
Die unverzügliche und konsequente Behandlung ist bei einer Infektion von Ichthyophthirius multifilii notwendig. Dann kann man sicher sein, dass die Infektion dauerhaft bekämpft ist.

Die neue, überarbeitete und stark erweiterte Ausgabe von „Krankheiten der Zierfische: Vorbeugung – Diagnose – Behandlung“ von Dieter Untergasser im Dähne Verlag erschienen. Das umfassende Werk richtet sich an Aquarianer, Züchter, Veterinäre sowie den Zoofachhandel und bietet wertvolle Informationen zur Diagnose und Behandlung von Aquarien- und Teichfischen.

In der Neuauflage hat der renommierte Fischgesundheitsexperte sein Standardwerk um mehr als 200 Seiten erweitert und mit rund 400 neuen Abbildungen sowie etwa 135 Videos ergänzt. Diese Erweiterungen sorgen für noch mehr Praxisnähe und ermöglichen es den Lesern, Krankheitsbilder präzise zu identifizieren und gezielt zu behandeln.[1]

Expertenwerk zur Fischgesundheit neu aufgelegt

Buch über Krankheiten der Zierfische mit aufgeschlagenen Seiten auf einem Holztisch.
Abbildung 15: Mit den Diagnosetafeln kann man parallel im Buch die Behandlungsmethoden aufschlagen. (Quelle: Sera)

Das Buch ist besonders durch seine klar strukturierten Diagnosetafeln und detaillierten Krankheitsbeschreibungen eine wertvolle Unterstützung für eine präzise und sichere Diagnose. „Eine erfolgreiche Behandlung von Zierfischen beginnt immer mit einer exakten Diagnose“, erklärt Untergasser. So könnten anhand des Werks Zoofachhändler Krankheiten bei ihren Tieren identifizieren und dann zielgerichtet behandeln – aber auch Kunden gut beraten, die Hilfe suchen.

Neben der Diagnose und Behandlung von Krankheiten legt Untergasser einen starken Fokus auf Prävention. Er hat daher auch die Bereiche „Ernährung von Zierfischen“ und „Wasserchemie“ aufgenommen.

Zum Weiterlesen​

  1. Text & Fotos: Dieter Untergasser
    Literatur: Bauer, O.N. & O.N. Juntschis (2001). A New Genus of Parastici Ciliata from Tropical Fishes. Parazitologiya 35 (2): 142-144
    https://www.zin.ru/journals/Parazitologiya/content/2001/prz_2001_2_8_Вauer.pdf

  2. Das Buch im Detail: „Krankheiten der Zierfische: Vorbeugung – Diagnose – Behandlung“
    Autor: Dieter Untergasser
    Verlag: Dähne Verlag
    464 Seiten plus 52 Seiten Diagnosetafeln, 600 Fotos, 135 Videos
    Erscheinungsdatum: 18. November 2024
    ISBN: 978-3-911226-07-3
    Bestellungen: www.daehne-quaristik.de/fischkrankheiten.

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